6. Empedokles - ein Vorsokratiker
Vielleicht hat Empedokles ein Stück Holz verbrennen sehen. Und dabei geht ja gerade etwas in Auflösung über. Wir hören es im Holz knistern und blubbern. Das ist das Wasser. Etwas wird zu Rauch. Das ist die Luft. Das Feuer sehen wir ja. Und wenn die Flammen verlöschen, bleibt etwas liegen. Das ist die Asche - der die Erde. Nachdem Empedokles aufgezeigt hat, dass die Veränderungen der Natur dadurch entstehen, dass sich die vier Wurzeln vermischen und wieder trennen, bleibt noch immer eine Frage offen: Was ist die Ursache dafür, dass die Stoffe sich zusammenfügen, damit neues Leben entsteht? Und was sorgt dafür, dass die »Mischung«, eine Blume zum Beispiel, sich wieder auflöst? Empedokles meinte, dass in der Natur zwei verschiedene Kräfte wirken müssen. Diese Kräfte nannte er Liebe und Streit. Was die Dinge verbindet, ist die Liebe, was sie auflöst, der Streit. Empedokles unterscheidet also zwischen Stoff und Kraft. Es lohnt sich, wenn wir uns das merken. Noch heute unterscheidet die Wissenschaft Grundstoffe und Naturkräfte. Die moderne Wissenschaft glaubt, alle Naturprozesse als Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Grundstoffen und einigen wenigen Naturkräften erklären zu können. Empedokles hat sich auch der Frage zugewandt, was passiert, wenn wir etwas empfinden. Wie kann ich zum Beispiel eine Blume »sehen«? Was geht dabei vor sich? Hast Du Dir das schon einmal überlegt, Sofie? Wenn nicht, dann hast Du jetzt die Gelegenheit dazu. Empedokles glaubte, dass unsere Augen wie alles andere in der Natur aus Erde, Luft, Feuer und Wasser bestehen. Also erfasst die Erde in meinem Auge das, was von dem Gesehenen aus Erde besteht, die Luft erfasst das, was aus Luft ist, das Feuer in den Augen erfasst das, was aus Feuer ist, und das Wasser das, was aus Wasser ist. Wenn dem Auge einer dieser Stoffe fehlte, könnte ich auch nicht die ganze Natur sehen.
mittelalterliche Darstellung der vier Elemente