Augustinus
Augustinus' Christentum ist in hohem Maße vom
platonischen Denken beeinflußt. Und deshalb geht es
nicht um einen dramatischen Bruch mit der griechischen
Philosophie, sobald wir einen Fuß ins christliche
Mittelalter setzen. Vieles aus der griechischen
Philosophie wurde durch Kirchenvater wie Augustinus in
die neue Zeit hineingetragen.
Er selber hielt sich für einen hundertprozentigen
Christen. Aber er sah keinen scharfen Widerspruch
zwischen Christentum und platonischer Philosophie.
Ihm erschienen die Parallelen zwischen Platons
Philosophie und der christlichen Lehre als so auffallend,
dass er sich fragte, ob Platon nicht zumindest Teile des
Alten Testamentes gekannt haben konnte. Das ist
natürlich sehr zweifelhaft. Wir können eher behaupten,
Augustinus habe Platon >christiamsiert< .
Er hat aber gezeigt, daß es Grenzen dafür gibt, wie weit
die Vernunft in religiöse Fragen hineinreichen kann. Das
Christentum ist auch ein göttliches Mysterium, dem wir
uns nur durch den Glauben nähern können. Aber wenn
wir ans Christentum glauben, wird Gott unsere Seele
>erleuchten<, und dann erlangen wir eine Art
übernatürliches Wissen von Gott.
Augustinus selber hatte erlebt, daß die Philosophie nicht
unbegrenzt weit reichen konnte. Erst als er Christ wurde,
fand seine Seele Ruhe.
Das zeigt auch, wie Augustinus und viele andere
Kirchenväter sich bis zum Äußersten anstrengten, um
griechisches und jüdisches Denken zu vereinen. In
gewisser Hinsicht waren sie Bürger zweier Kulturen.
Auch in seiner Sicht des Bösen greift er auf den
Neoplatonismus zurück. Er meinte wie Plotin, daß das
Böse in der >Abwesenheit< Gottes besteht. Das Böse
hat keine selbständige Existenz, es ist etwas, das nicht
ist. Denn Gottes Schöpfung ist nur gut. Das Böse
entsteht durch den Ungehorsam der Menschen, meinte
Augustinus.
Das Gute kann man also nur durch den Glaube an Gott
erreichen. Nach Augustinus kann der Mensch frei
wählen. Der Mensch ist gut, wenn er gläubig ist und
böse, wenn er nicht gläubig ist.